Geld oder Singen?Geld oder Singen?

“Wir kommen jetzt zum Tagesordnungspunkt 5 unserer Hauptversammlung, dem Bericht des Schriftführers. Erwin, jetzt bist du dran!”

“Lieber Bernd, liebe Sängerkameraden, das zurückliegende Jahr war sicher eines unserer härtesten. Selten waren nahezu alle in unserem Männerchor so eingespannt in die Aktivitäten unseres Vereins, und das beinahe jeden Monat. Wahrscheinlich wird das Jahr 2003 schon allein deswegen als einmalig in die Annalen unseres Vereins eingehen, weil wir zum erstenmal ein ganzes Jahr lang kein Konzertgegeben haben, auch keinen Auftritt in der Kirche oder am Volkstrauertag, kein Weihnachtssingen und kein Frühjahrskonzert. Es war einfach, wie ich schon gesagt hab, zu viel los.

Ich beginne meinen Bericht im Januar 2003. Mit Sicherheit erinnern sich noch alle gerne an die große Schneetheke, die Mitglieder unseres Vereins auf dem Rathausplatz gebaut hatten. Es war die größte Schneetheke, die nicht nur Schneckenbach, sondern unser ganzer Kreis je gesehen hat. Eigentlich haben nur 117cm gefehlt, und wir wären ins Guiness-Buch der Rekorde gekommen. Vielen Dank, Wolfgang, dass du dich darum gekümmert hast, auch wenn’s letztendlich nicht gereicht hat. Aber wir hatten insgesamt 7 Berichte im Gemeindeblatt, im Tagesboten, ja sogar in der Kreiszeitung, soviel wie noch nie. Das war wirklich optimale Werbung für unseren Chor. Und die Einnahmen aus dem Schnapsverkauf, dem Glühwein und den Schupfnudeln konnten sich auch sehen lassen. Der Musikverein ist heute noch neidisch. Werner und Klaus haben sich um die Schupfnudeln gekümmert, vielen Dank, Ihr beiden!

Im Februar stand das Ski- und Rodelwochenende im Mittelpunkt unserer Vereinsaktivitäten. Herbert, unser Schwarzwaldexperte, hat wirklich einen tollen Ort mit einer noch besseren Kneipe ausfindig gemacht. Und wenn letztendlich auch nur zwei von uns auf die Bretter gestiegen sind, es war einfach ein gelungenes Winterwochenende. Im März haben wir dem Erich beim Umzug geholfen und die Wohnung danach gleich richtig eingeweiht. Erich, das war klasse!

Im April hat der Chor beim Oster- und Frühlingsfest unserer Gemeinde wieder mal so richtig gezeigt, was in ihm steckt. Unsere Frauen haben gebacken wie die Weltmeister und der Würstchengrill stand ein ganzes Wochenende lang nicht still. Zum Glück hat auch das Wetter mitgemacht und wir blieben nicht auf den Bierfässern sitzen, die der Vereinsausschuss mit Mehrheitsbeschluss gekauft hatte. Tatsächlich konnten wir so gegenüber einem eventuellen Flaschenausschank 112Euro und 64Cent gutmachen. Das war sehr vernünftig kalkuliert.

Im Mai haben wir unsere traditionelle Maiwanderung zum Kapellenberg gemacht. Auch wenn diesmal Petrus uns nicht wohlgesonnen war, wir haben unsere gute Laune behalten und bis spät in die Nacht im Klosterstüble gezecht und gesungen. Womit bewiesen wäre, dass wir nicht nur ein toller Verein, sondern auch ein stimmgewaltiger Chor sind.

Im Juni haben wir den Sommer mit unserem traditionellen Sommerfest eingeläutet. Alfred, es war wirklich eine Superidee, diesmal die Blasmusik an beiden Tagen spielen zu lassen. Wir haben noch nie so viel umgesetzt im Festzelt wie 2003. Und wenn wir nicht jeden Monat unsere Chorleiterin -schade, dass sie heute nicht da sein kann -bezahlen müssten, wäre das Jahr 2003 auch finanziell ein Spitzenjahr geworden.

Der Juli und der August waren für alle Aktiven unseres Chores Ruhemonate. Diese Ruhe war auch redlich verdient, deswegen sei nachträglich auch der schlechte Probenbesuch im Juli mit durchschnittlich nur 65% verziehen. Im Ausschuss haben wir letzte Woche beschlossen, dass der Juli für die Probenwertung und die damit zusammenhängenden Sängerkrüge diesmal nicht herangezogen wird. Viele, die ihren Zinnkrug in diesem Jahr schon abgeschrieben haben, dürfen also noch hoffen.

Im September, kaum dass die Schule begonnen hatte, konnte unser Verein wieder durchstarten. Unser Vorstand überreichte der Grundschule einen Liederkalender. In der Zeitung war ein Bild von der Übergabe und jetzt warten wir mal, was uns die Kinder demnächst vorsingen werden. Beim Herbstfest im Oktober gab’s zum erstenmal Ärger mit einigen Besuchern, die sich schon sehr bald als Mitglieder dieses neuen Chores “Happy Voices” herausstellten, als sie plötzlich anfingen zu singen und alle Gäste in der von uns gemieteten Gemeindehalle plötzlich mitklatschten. Ich glaub, der Hermann hat völlig richtig gehandelt, als er den jungen Leuten sagte: Hier in dieser Halle singt nur einer, und das sind wir, der Liederkranz. Uns gibt’s seit über 125 Jahren. So lange müsst ihr mit euren Voices erstmal andere happy machen. Dann dürft ihr bei uns singen. ...”

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