Emissionen, die sich lohnenEmissionen, die sich lohnen

Auch wenn es bei Laienmusikwettbewerben weder das Prädikat “Grottenschlecht” noch “Abrgundtief unsauber” gibt, so steht doch außer Zweifel, dass nicht jeder Chor die “Kriterien zum Schutz gegen akustische Umweltverschmutzung” erfüllt.

Aber was tun, solange die Fortbildungswut unserer Chorleiter so überschaubar bleibt?
Die Politik hat es uns vorgemacht. Nicht die schwäbische oder gar die badische, nein, die Berliner Politik, also die ganz große. Mit der Einigung auf einen nationalen Zuteilungsplan für den Ausstoß von Kohlendioxid, kurz “Emissionshandel” genannt, hat sie auch den Gesangvereinen einen Fingerzeig gegeben, wie vokale Qualität mittelfristig erhöht und langfristig wirkungsvoll konzentriert werden kann. Kämpfen sie doch letztenendes mit dem gleichen Problem, nur dass es im einen Fall um den Ausstoß gesundheitsschädlicher Gase, im anderen Fall um den von Tönen geht.

Kurz zur Erklärung: Gesangverein A, nennen wir ihn einmal “Liederkranz”, existiert seit über 150 Jahren, hat ein eigenes Vereinsheim und auch sonst eine Menge von dem, über das man im Schwabenland nicht spricht. Aber – er hat seine freiwillige Selbstverpflichtung zur Reduzierung falscher Töne nicht erfüllt. Die Gründe hierfür sind komplex, denn es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Einsicht in die vom Sängerbund vorgeschriebenen Maßnahmen. Tonfilter kosten chorische Stimmbildung und regelmäßiges Einsingen vor den Chorproben, erfordern also Investitionen in einer Zeit, in der Stimmkosmetik für viele zum Wellnessbereich zählt.

Gesangverein B, nennen wir ihn der Einfachheit halber “Frohsinn”, erfüllt das akustische Kyoto-Protokoll, ist aber noch meilenweit entfernt von der Zelterplakette und Lichtjahre von der Conradin-Kreutzer-Tafel. Die einfache Arithmetik sagt ihm, dass es nur den jüngsten unter seinen Männerstimmen, also niemandem vergönnt sein wird, dereinst die Zelter-Plakette entgegennehmen zu dürfen. Was aber viel schlimmer wiegt: Gesangverein B ist arm und ehrlich. Eine Kombination, die geradezu tödlich sein kann; denn unser “Frohsinn” kauft all seine Noten in Chorstärke bei seinem Musikalienhändler, freut sich, wenn er bei seinen Konzerten kein Minus macht und deswegen auch keine Abmangelformulare des SSB ausfüllen muss und ist stolz darauf, dass er aufgrund hoher Mitgliederbeiträge seinen Chorleiter ohne Kartoffelsalat-, Hüft- und Nackensteakverkauf finanzieren kann.

Gesangverein A, unser Liederkranz fragt sich: Darf der Sängerbund in sängerisch schwierigen Zeiten, in denen Männerstimmen Mangelware sind und noch lange nicht alle Männergesangvereine in reine Frauenchöre umgewandelt werden konnten, darf er die Vereine mit höheren Kosten für den musikalischen Klimaschutz belasten?

Deswegen müssen wir den Einstieg in den Emissionshandel schaffen. Ein MGV, der seine letzte ASU 1978 hatte und seither sängerisch im halblegalen Bereich tätig ist, muss emissionsmäßig entkriminalisiert werden können. Gleichzeitig sollte ein erfolgreicher junger und armer Chor, der mehr mit seiner Existenz als mit den Tönen kämpft, unterstützt werden können.

Dagegen hilft nur tauschen: nicht Alter gegen Schönheit, nicht alte Sängerjahre gegen frische Sängerware, nicht Jubiläen gegen Jubilieren, sondern falsche Töne gegen richtige Löhne. Belohnung ist die Lösung. Denn Geben ist seliger denn Nehmen. Das hat schon St. Martin so gehalten, der Schutzheilige aller Manteltarife.

Mein Vorschlag deswegen – und bitte schlagen Sie nicht zurück: die Höhe der sog. Chorleiterpauschale, die ja in Wirklichkeit eine Fortbildungspauschale ist, wird in Zukunft abhängig gemacht von der Anzahl der sauberen Töne. Eine saubere Sache! Denn richtige Töne sind messbar, und vor allem erlernbar. Man muss nicht, man kann! Aber wenn man nicht will, braucht man auch keine Fortbildungszuschüsse. Die gehen dann eben an die “Frohsinn’s”, oder wie? oder was? – fragt sich Ihr Wolfgang Layer.

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