Gestaltung von KonzertenGestaltung von Konzerten

Zurzeit werden in der modernen Chorszene immer mehr Konzerte mit Showelementen wie Multi-Media-Shows oder diverse unterhaltende Einlagen ergänzt und umrahmt. Ist diese Form der Konzertgestaltung wirklich das “Non-Plus-Ultra” der zeitgemäßen Durchführung von Konzerten oder lenkt es vom eigentlichen Hauptzweck – dem guten modernen Chorgesang – eher mehr ab? Mit dieser Fragestellung will sich dieser Artikel beschäftigen.

Es ist mittlerweile immer mehr Mode geworden Chorkonzerte mit diversen Showeinlagen zu umrahmen. Das können Tanzeinlagen, PowerPoint-Präsentationen und diverse Gags sein, die als Überleitung oder Ergänzung zu den Gesangsvorträgen präsentiert werden. Dazu ist oft eine sehr umfangreiche Technik notwendig und Leute, die sich mit der Bedienung auskennen. Dabei ist es wichtig, dass der zeitliche Ablauf korrekt eingehalten wird, speziell wenn Bildsequenzen im Hintergrund laufen. Dazu ist eine intensive Vorbereitung notwendig, die sehr viel Zeiteinsatz derjenigen abverlangt, die diese Sache planen und durchführen und womit sich diese Personen natürlich identifizieren. Damit das Ganze dann auch funktioniert muss der betreffende Chor auch bestimmte Dinge wie Choraufstellung und Auf- und Abgänge einhalten, die vorher natürlich geprobt werden müssen. Oft ist es dann für den Chor ungewohnt, wenn er aus Tontechnischen Erfordernissen dann auf der Bühne anders stehen muss, als er es gewohnt ist. Das verunsichert und muss entsprechend geübt werden, damit auch die gesangliche Leistung stimmt.

Wird so ein Konzert dann auch noch von mehreren Chorgruppen eines Vereins gestaltet, steht man oft vor dem Problem aus zeitlichen Gründen die Gesangsvorträge der jeweiligen Chorgruppe aufgrund des “Show-Rahmenprogramms” so zu kürzen, dass die Anzahl der Vorträge pro Gruppe im Verhältnis zu dem zeitlichen Gesamtrahmen sehr minimal sind. Man will ja auch kein Konzert mit 3-4 Stunden veranstalten, was auch kein Zuhörer der Welt bei Laienchören mitmachen würde. Da entfallen bei einem Konzert mit 3 Chorgruppen und einem zeitlichen Gesamtaufwand von 2 Stunden oft nur 4-6 Lieder pro Gruppe und dafür wird dann oft 1 Jahr oder länger geprobt.

Ein weiterer Punkt ist die Qualität der dargebotenen Stücke. Oft trifft man auf Konzerte wo Chöre überwiegend so genannte “Publikumsreiser” singen, das sind Stücke die dem Publikum sehr gut bekannt sind und oft eine sehr einfache Satzstruktur haben und deswegen vom Chor recht schnell gelernt werden können. Das ist natürlich auch für den betreffenden Chor ziemlich bequem. Dagegen wird dann oft beklagt, dass schwierige Stücke, für die man in der Einstudierung recht lange braucht und die manchmal an die Leistungsgrenzen des Chores reichen, oft vom Publikum nicht entsprechend gewürdigt werden und man sie deshalb auch nicht ins Repertoire aufnehmen sollte.

Diese Ansicht führt meiner Meinung nach nur zu kurzfristigen Erfolgen und gefährdet eine dauerhafte Entwicklung des jeweiligen Chores bzgl seiner Leistungsfähigkeit. Ein Chor und besonders ein “Junger Chor” der sich mit moderner Pop-Chormusik beschäftigt, der nur “einfache” Popballaden singt wird auf die Dauer in dem Angebot der modernen Chorszene nicht Bestand haben. Das sieht man eindrücklich bei den Gospelchören. Vor 5-8 Jahren konnte jeder der sich Gospelchor nannte und ungefähr ein bisschen “Oh happy day” singen konnte Kirchen füllen, heute sind es nur die Gospelchöre die über die Jahre auch auf Qualität bei den Chorsätzen geachtet haben und sich auch mal an schwierige Arrangements wagen, auch wenn das Publikum zunächst das nicht würdigt, die noch die Konzertsääle füllen.

Jedoch da muss man sich sein Publikum auch erziehen und wenn man diesen Weg konsequent weiterverfolgt kann man erkennen, dass sich auch die Ansprüche des Publikums verändern und man auf Dauer ganz andere Publikumsschichten anspricht, auch wenn dies vielleicht nicht die Masse ist.

Auch der Einsatz o.g. Multimedia-Effekte und Showeinlagen ist m. M. mit Vorsicht zu betrachten. Natürlich ist es toller Effekt und für das Publikum sehr ansprechend, wenn zu gesungenen Liedern Bildsequenzen oder kleine Filme laufen. Man sollte aber darauf achten, dass diese Dinge nicht den vorgetragenen Chorsatz überlagern und von ihm ablenken. Dann ist nämlich das eigentliche Ziel eines Chorkonzertes gefährdet. Auch nutzt sich so eine Art der Gestaltung recht schnell ab oder man hat über die Zeit große Probleme immer wieder neu diese Gestaltung zu toppen. Gerade in unserer von Medien und Giga-Events beeinflussten Zeit hat das Publikum sehr große Erwartungen an solche Veranstaltungsformen. Konzentriert man sich aber mehr auf die Musik und die Qualität der jeweiligen Chorsätze, wirken diese für sich allein und man benötigt keine weitere Ablenkung.

Ich denke es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man Konzerte oder einzelne Stücke mit etwas Bewegung und kleinen Choreographien auflockert z.B. afrikanische Lieder mit entsprechenden Schrittfolgen, jedoch sollte sich dies wirklich auf einzelne Stücke beschränken. Meiner Ansicht nach wird sich nur die Qualität der Vorträge auf Dauer wirklich durchsetzen. Deshalb ist von entscheidender Wichtigkeit die Chormitglieder und die Vereinsführung diesbezüglich zu sensibilisieren und entsprechend darauf hin zu arbeiten.

Auch wenn man in seiner Umgebung Chöre und Gruppen kennt die den Weg der “Show-Konzerte” momentan erfolgreich gehen, sollte man sich nicht dazu verführen lassen denen nachzueifern oder sie gar zu kopieren. Jeder Chor muss da seinen eigenen Weg finden, der sich – und ich wiederhole mich da – nur über die Qualität des Vortrags definieren lässt.

Frank Montillon
November 2005

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