10 Euro im Monat
kommt gar nicht in Frage!
10 Euro im Monat  kommt gar nicht in Frage!

Gedanken des Vorsitzenden eines Gesangvereines in Vorbereitung auf seinen Bericht bei der Jahreshauptversammlung.

Am Montag haben wir wieder mal Jahreshauptversammlung in unserem Verein und ich habe immer noch nicht meinen Bericht als Vorsitzender zusammen. Jetzt wird es langsam mal Zeit. Zuerst natürlich die Begrüßung und Totenehrung. Obligatorisch – muss sein. Die Termine des vergangenen Jahres führt zwar unser Schriftführer auf, aber zu einzelnen Veranstaltungen werde ich schon noch was sagen müssen. Mein Gott – das waren wieder mal viele Termine!

Im Januar der Neujahrsempfang. Eigentlich immer das Gleiche und wir müssen immer bis zum Schluss warten bis wir singen können, aber was tut man nicht alles für die Gemeinde. Im Februar kamen dann die 2 Faschingssitzungen. Mann – das war wieder anstrengend und es wird jedes Jahr immer schwieriger Helfer für Bewirtung und vor allem Akteure für die Bühne zu bekommen. Aber auf diese Einnahmen sind wir angewiesen, es wird ja heute nichts billiger. Allein unser Chorleiter kostet uns im Monat 300 Euro. Vor der Umstellung auf den Euro waren das mal 250 DM. Das sind im Jahr 3.600 Euro plus diverse Sonderzahlungen. Und die Noten sind mittlerweile auch nicht gerade billig. Für unseren “alten” Chor mit 35 Sänger/innen geht das ja noch. Da singen wir eh nur Volkslieder und vielleicht mal ein Gospel – aber davon bitte nicht zu viele – wegen dem Englisch. Aber unser “Junger Chor” singt überwiegend nur Pop und Schlager. Und die sind vielleicht teuer. Da kostet ein Exemplar teilweise zwischen 3,50 Euro und 5 Euro und das für 55 Mitglieder!

Nun ja – im Mai hatten wir ja unser Konzert. Da wurde wieder einiges an Essen und Trinken verkauft, vor allem in der Pause – das hat sich gelohnt. Aber selbst diese Einnahmen haben nicht gereicht um den Finanzbedarf für das vergangene Jahr zu decken.

Gott sei dank hatten wir ja im August unser traditionelles Sommerfest. Auch immer eine willkommene Einnahmequelle. Nun – letztes Jahr ist es nicht so gut gelaufen. Man hat halt doch gemerkt dass die Leute weniger ausgeben. Vor 10 Jahren waren solche Feste ein Selbstläufer, aber heute muss man immer neue Attraktionen bieten um die Leute zum Kommen zu bewegen. Und immer wieder das gleiche Problem mit den Helfern. Das fängt schon beim Aufbau an. Wir im “alten” Chor packen das bald alleine nicht mehr. Dazu sind viele einfach zu alt und können nicht mehr. Es hatten dann doch einige vom “Jungen Chor” mitgeholfen, aber das auch nur nach vielem Drängen und Betteln. Versteh ich eigentlich nicht, die sind doch genauso in unserem Verein wie wir, und deswegen müsste es doch eigentlich selbstverständlich sein dass sie bei solchen Festen helfen. Ich erinnere mich noch als ich da in der Singstunde vom “Jungen Chor” nach Helfern gefragt hatte, dass einer der jüngeren Männer gemeint hat, dass man hat heutzutage halt nicht mehr soviel Zeit hätte um ständig irgendwo bei Festen zu helfen. Man steht mitten im Berufsleben, und da wird es auch nicht einfacher. Gerade in einer Zeit wo in den Betrieben nach wie vor Arbeitsplätze abgebaut werden und der Einzelne immer mehr arbeiten muss. Überstunden sind da die Regel. Er wäre da eher bereit einen höheren Jahresbeitrag zu zahlen als ständig irgendwo antreten zu müssen. Er meinte, wenn jeder von uns 35 Sänger/innen nur 5 Euro im Monat als Mitgliedsbeitrag zahlen würden, sind das zusammen 175 Euro, bei 10 Euro wären das immerhin 350 Euro. Da müsste man sich schon mal keine Gedanken um das Honorar des Chorleiters machen und übrig bleiben würde auch was für Noten und so. Und was sind denn heute 10 Euro, mit Sicherheit nicht mehr 20 DM wie früher, das kann sich sicherlich jeder leisten, und dann bräuchte man vielleicht nicht mehr so viele Feste.

Das könnte dann auch positiv für unser Image als Chor sein, denn viele schrecken nicht die Singstunden und die Auftritte ab in einen Chor zu gehen, sondern in erster Linie die vielen sonstigen Termine und da stehen die diversen Feste an erster Stelle.

Wie stellt der sich denn das vor. 10 Euro im Monat pro aktives Mitglied. Kommt gar nicht in Frage. Seit ich 1. Vorsitzender bin musste ich kein einziges mal den Beitrag erhöhen und darauf bin ich stolz. Vor der Umstellung auf den Euro waren das 18 DM und jetzt sind es 9 Euro im Jahr. Und das soll auch so bleiben.

Mit den Einnahmen aus dem Sommerfest sind wir letztes Jahr laut unserem Rechner nun gerade so mit einer leicht roten Null rausgekommen. Puh – das haben wir wieder mal hingekriegt. Aber im nächsten Jahr müssen wir unbedingt noch ein zusätzliches Grillfest einplanen, damit wir bei den Einnahmen zumindest etwas Luft haben, denn unser Chorleiter hat angekündigt bei steigenden Benzinpreisen sein Honorar etwas anzuheben und die Gemeinde will auch eine höhere Heizkostenpauschale für den Gemeinderaum im Monat.

Dazu brauchen wir zwar wieder Helfer und in unserer Gemeinde ist wieder ein Fest mehr im Terminkalender, aber da werd ich mich schon noch durchsetzten bei den “Jungen”. Wäre ja noch schöner wenn wir “Alten” uns von den “Jungen” vorschreiben lassen würden wie wir den Verein finanzieren.

Frank Montillon
Mai 2006

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