Seniorenchöre - ein neuer Trend?Seniorenchöre - ein neuer Trend?

Momentan kann man überall in den Laienchören eine zunehmende Überalterung beobachten. Immer mehr Chöre kommen an die Grenze ihrer normalen Singfähigkeit, weil zunehmend die Sänger/innen ,besonders die Männerstimmen in den Gemischten Chören und die Tenöre in den Männerchören, infolge zunehmenden Alters immer weniger werden. Und auch dort wo vor Jahren ein „Junger“ oder „Moderner“ Chor zwecks Zukunftssicherung gegründet wurde, vergreist der bisherige Stammchor, so dass schon einige dieser Jungen/Modernen Chöre die Führungsrolle innerhalb des Vereins übernommen haben, oder dabei sind zu übernehmen.

Manche fordern nun das die Jungen/Modernen Chöre nun ihre „Vater/Mutterchöre“ dahingehend unterstützen, dass sie dort mitsingen sollen, um so auch noch den Stammchor sing fähig zu halten. Dies ist aber meiner Meinung nach nur kurzfristig erfolgreich. Vielmehr werden mittelfristig dort wo dies so praktiziert wird, eher die Sänger/innen aus den Jungen/Modernen Chören wegbleiben, weil sie sich nicht mehr mit der Chormusik grundsätzlich identifizieren können die sie machen und weil sie eigentlich in den Jungen Chor gegangen sind um dort mit ihrer Altersgruppe zu singen und beisammen zu sein. So bedauerlich es vielleicht für viele ist das dann der veraltete Stammchor über kurz oder lang aus stirbt, kann man eine erfolgreich Zukunftssicherung nur über Neugründungen von Chorgruppen oder Projektchören erreichen, die dann dem Zeitgeist entsprechen können mit ihrer Musik und ihrem Verständnis einen Verein mit Leben zu gestalten.

Was macht man jetzt aber nun mit seinem vergreisten Stammchor? So lange wie es irgendwie geht die bisher gewohnte Leistung heraus pressen? Die Soprane und Tenöre mit zu hoher Stimmführung überfordern? Unbedingt versuchen durch Singen von Spirituals und leichten Popsongs und Schlagern, womöglich dann unbedingt noch in englisch, dem „alten“ Chor einen modernen Touch geben?

Ich denke das ist der falsche Weg. Dies haben auch mittlerweile die Chorverbände erkannt und so werden heute überall Schulungen für Chorleiter angeboten, die sich mit Singen für ältere Menschen beschäftigen und entsprechende Literatur vorstellen. Das bedeutet dann z.B. aus dem 4stimmigen gemischten Chor einen 3stimmigen zu machen, Sopran, Alt und Männerstimme, auf die Stimmführung besonders der Soprane und Tenöre achten, dass diese nicht zu hoch ist, rhythmisch und satztechnisch einfache Literatur auswählen (Strophenlieder), um so den älteren Sänger/innen gerecht zu werden. Bei Männerchören ist das zwar etwas schwieriger gute 3stimmige Literatur zu finden, da diese bisher immer nur als minderwertig angesehen wurde. Aber auch da gibt es mittlerweile entsprechende Stücke.

Dann ist der nächste Schritt zwangsläufig diesen „Stammchor“ dann auch vorurteilsfrei und selbstbewusst in „Seniorenchor“ um zu benennen, denn dass Singen gesund ist, wurde medizinisch bereits festgestellt und auch für Senioren ist es wichtig im gewissen Sinne noch gefordert zu werden, egal in welchen Alter. Der Begriff „Seniorenchor“ ist leider momentan noch sehr negativ besetzt, aber das muss sich und das wird sich auch ändern, denn die Überalterung in den Laienchören wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit eher noch zunehmen. Dann sollte man als Verein, besonders dann wenn man in der glücklichen Situation ist vor Jahren einen „Jungen/Modernen“ Chor gegründet zu haben, den Mut haben diesen „Seniorenchor“ öffentlich zu machen und zu etablieren.

Herr Wolfgang Layer, Chefredakteur und Herausgeber der Schwäbischen Sängerzeitung, hat es erst kürzlich auf einem Workshop für „Junge Chöre“ im Schwäbischen Sängerbund treffend formuliert:

„….Die Ablösung hat stattgefunden….““..... Bald werden die Jungen Chöre Seniorenabteilungen gründen und nicht andersrum….“.*

*Aus der Dezemberausgabe 2007 der Zeitschrift des Schwäbischen Sängerbundes „Singen“

Frank Montillon, Dezember 2007

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